Darknet Im geheimen Netzwerk der Online-Dealer

Welt der Wunder
Darknet. Was Ebay, Zalando und Amazon für Spiele, Kleidung und Bücher sind, das sind digitale Drogenshops für Drogen
Darknet. Was Ebay, Zalando und Amazon für Spiele, Kleidung und Bücher sind, das sind digitale Drogenshops für Drogen © iStock

Gute Kundenbewertungen, extrem große Auswahl - und das alles versandkostenfrei. Was Amazon für Bücher ist, sind digitale Drogenshops für Cannabis, Kokain und Co. 

Nach zehn Tagen Warten verliert Christian* langsam die Geduld. Wurde er vom Anbieter betrogen? Ist die Ware nie versendet worden? Doch gerade als der 24-Jährige im Internet die Bewertung für den Online-Händler abgeben und sich über die Lieferzeit beschweren will, klingelt es. "Ein Paket für Sie", knarrt eine Stimme aus der Gegensprechanlage. Eine Unterschrift, und fünf Minuten später öffnet Christian den versiegelten Pappkarton in seiner Zweizimmerwohnung in Frankfurt/Main. Ein prüfender Blick auf die Ware, ein kurzer Test - dann ist klar: Das Warten hat sich gelohnt.

Für fünf Gramm niederländisches Cannabis hat er 0,11 Bitcoins bezahlt - umgerechnet rund 56 Euro. Inklusive Versandkosten. Ein Schnäppchen, denn auf der Straße ist es auch nicht günstiger.

Aber wie funktioniert das System der Online-Drogenshops? Wie viele Menschen nutzen es? Und wie hoch ist das Risiko?

"Wir verschicken jeden Monat 2,5 Kilo Ecstasy", so ein Dealer

 

Chemikalien in einem Drogenlabor
 Chemikalien in einem Drogenlabor © Getty Images

Tatsächlich sind nur wenige Geschäftszweige in den vergangenen Jahren derart schnell gewachsen wie der digitale Drogenhandel. So ergab der sogenannte Global Drug Survey 2014, eine Umfrage unter 80.000 Drogenkonsumenten aus 43 Ländern, dass mittlerweile 22 Prozent aller Nutzer ihre Rauschmittel - vor allem Cannabis, Ecstasy und Kokain - online kaufen. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung bedeutet dies, dass jedes Jahr Tausende Kilo illegaler Blüten, Pillen und Pulver im Internet bestellt und in Päckchen und Paketen per Post direkt an Endverbraucher geliefert werden.

Was Ebay, Zalando und Amazon für Spiele, Kleidung und Bücher sind, das sind digitale Drogenshops für Drogen

 

Im Gegensatz zu den großen Online-Versandhäusern findet man die Drogenshops jedoch nicht im frei zugänglichen Internet - sondern im sogenannten Darknet oder auch Deep Web, einer digitalen Untergrundwelt, doppelt so groß wie das sichtbare Netz, fast ohne staatliche Kontrolle und nur betretbar mit einer zuvor heruntergeladenen Software. Hat man den Browser installiert, kann man nach nur wenigen Klicks vollkommen anonym in die durch die jeweilige Zugangssoftware erreichbaren Bereiche der Unterwelt des Internets abtauchen.

Neben Drogenshops bieten hier Auftragskiller ihre Dienste an (um die 20.000 Euro kostet ein Mord), Menschenrechtsaktivisten und Regimegegner tauschen sich in Foren aus, Pädophile und Waffenhändler machen hier Millionengeschäfte. Sogar eine Suchmaschine gibt es hier, nur dass sie nicht Google, sondern Grams heißt.

"Die Darknets sind wie Gettos in den südamerikanischen Metropolen. Sie sind zu verwinkelt, zu abgeschottet und zu groß, um sie zu kontrollieren", erklärt Bernd Carstensen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.

Gezahlt wird bei allen Drogenshops mit Bitcoins - der aus verschlüsselten Datenpaketen bestehenden Internetwährung. Anfangs von Finanzexperten belächelt, war ein Bitcoin im Jahr 2009 etwa zehn Euro wert. Bis heute hat jedoch keine andere Währung einen derartigen Kursgewinn hingelegt wie die virtuellen Münzen. So muss man aktuell etwa 518 Euro für einen Bitcoin bezahlen. Für die Großdealer im Internet ein extremer Vorteil. Mussten sie früher Tausende Geldscheine waschen, können sie jetzt die eingenommenen Bitcoins per Online-Banking gegen Euro, Dollar oder sonstige Währungen tauschen.

Darknets sind zwar anonym, bieten jedoch krasse Gefahren und Fallen

 

Legal Highs sind im Kommen
Der Rausch ist nur ein paar Klicks entfernt © Christopher Furlong/Getty Images

Einen weiteren Vorteil des digitalen Drogenkaufs beschreibt ein Online-Dealer so: "Straßenkäufe waren nie sicher: Die Leute werden überfallen, verprügelt oder festgenommen. Im Gegensatz dazu sind Online-Käufe harmlos." Was er verschweigt: Viele Internetseiten beherbergen Fake Shops, von sogenannten Scammern geführt, die nur das Geld einziehen, aber keine Waren verschicken. Andere strecken die Drogen mit gefährlichen Zusatzstoffen, sodass die Dosierung unberechenbar wird. Zudem werden etwa ein bis zwei von zehn Lieferungen von der Polizei abgefangen, es drohen Geld- und Haftstrafen für den Verkäufer und den Käufer.

Während Letztere durch die Lieferadresse quasi sofort überführt werden können, ist es bei den Absendern, also den Drogendealern, jedoch schon schwieriger: "Ich drucke die Adresse auf Aufkleber. Dann versende ich alles vakuumverpackt. Ich achte darauf, dass alle Pakete verschieden aussehen. Ich versehe sie mit unterschiedlichen Absenderadressen, damit, wenn ich mehrere Pakete losschicke und eines gefunden wird, die anderen sicher sind", verrät ein Online-Dealer.

Derweil sucht Christian nach seinem Cannabis-Kauf im Darknet wieder nach neuen Sonderangeboten. Der Rausch ist nur ein paar Klicks entfernt und die Auswahl groß. Viel größer als bei seinem Dealer in Frankfurt auf der Straße. Und doch haben die Drogen aus dem Netz und die Drogen von der Straße natürlich eines gemeinsam: Beide richten im Körper massive Schäden an.

  • 10-20 Prozent aller Drogenbestellungen im Internet werden vom Zoll oder von der Polizei abgefangen, so die Schätzungen von Experten. Es drohen hohe Geld- und Haftstrafen für Versender und Empfänger. Zudem gibt es viele Fake Shops, die zwar Drogen anbieten, die Ware aber nie versenden.
  • 7 Tage beträgt die Lieferzeit bei vielen Online-Drogenshops im Schnitt. Allerdings werden Drogen auch hier - wie auf der Straße - von Dealern oft mit gefährlichen Zusatzstoffen gestreckt, die eine "richtige" Dosierung für den Kunden unberechenbar machen.
  • 67 Euro betrug 2013 im Internet der durchschnittliche Preis für ein Gramm Kokain. Ohne Versandkosten. Zum Vergleich: Der Straßenpreis für ein Gramm Kokain liegt in Deutschland zwischen 80 und 120 Euro. Cannabis ist dagegen im Internet etwa 25 Prozent teurer als beim Straßendealer.
  • Eine eigene Währung, eigene Shops - und eine eigene Suchmaschine: Der Drogenkauf im Netz ist fast vollkommen anonym.
 


Drogen-Markplatz: Internet

 

Die Auswahl an illegalen Substanzen ist riesig, es gibt Sterne-Buttons zur Bewertung der Dealer und Zeitangaben zu den Lieferzeiten - Online-Drogenshops sind mittlerweile fast genauso professionell aufgebaut wie die großen Online-Versandhäuser Amazon und Zalando. Zu finden sind die Plattformen im sogenannten Darknet, dem verborgenen Internet mit einem Anonymisierungsprotokoll für die Nutzer. Um hier zu surfen, muss man sich einen speziellen Browser auf seinem Rechner installieren. Gezahlt wird hier nicht mit Euro oder Dollar, sondern mit Bitcoins - der Internetwährung.

Der größte Drogenshop im Netz war bis 2014 Silk Road. Nachdem die Plattform von der Polizei geschlossen und die Konten gesperrt wurden und der Inhaber verhaftet wurde, dauerte es nur wenige Wochen, bis eine Nachfolgerseite eingerichtet war. Zwar wurde auch sie wieder geschlossen, aber es gibt Hunderte andere digitale Drogendealer im Netz.

WARNUNG: Abgesehen davon, dass der private Kauf von Cannabis, Ecstasy und Co. auch im Internet verboten ist und beim Kauf eine Haftstrafe droht, sind fast alle Online-Drogenshops virenverseucht. Zudem sind viele nur sogenannte Fake Shops, die zwar die Bestellung aufnehmen und Geld einziehen, aber keine Produkte liefern.

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