Todeszone Tahiti Ein Ritt auf der grausamsten Welle der Welt

Welt der Wunder
Ein Surfer reitet die Welle von Teahupoo
9 Meter hoch werden die Wellen von Teahupoo © GREGORY BOISSY/AFP/Getty Images

Sie bricht wenige Hundert Meter vor dem Südseedorf Teahupoo in Tahiti. Lange Zeit galt sie als unbezwingbar: zu hoch, zu schnell, zu viel Zerstörungskraft. Heute ist diese Welle die Königsdisziplin der Profisurfer. Aber was genau macht sie so einzigartig?

Das Donnern ist noch tief in den smaragdgrünen Tälern Tahitis zu hören. Es stammt jedoch nicht von den Vulkanen der Südseeinsel, die sich majestätisch aus dem türkisblauen Pazifik erheben. Vielmehr liegt der Ursprung des mysteriösen Grollens rund 900 Meter vor den Sandstränden des Archipels. Hier befindet sich der Geburtsort von Teahupoo - ein Name, bei dessen Klang Surfer auf der ganzen Welt eine Gänsehaut bekommen. Tatsächlich gibt es nirgendwo sonst auf diesem Planeten eine Welle, die so schön und gleichzeitig so grausam sein kann.

50 Meter kann ein Surfer durch den Tunnel der Welle fahren, bevor diese in sich zusammenbricht. Ein Ritt, der nur wenige Sekunden dauert.
50 Meter kann ein Surfer durch den Tunnel der Welle fahren, bevor diese in sich zusammenbricht. Ein Ritt, der nur wenige Sekunden dauert. © GREGORY BOISSY/AFP/Getty Images
 

Wie entkommst du dem Schlund eines Monsters?

 

Laird Hamilton weiß, dass er sich keinen Fehler erlauben darf. Nicht jetzt, nicht hier auf dieser Welle. Mit 60 Kilometern pro Stunde rast er mit seinem Brett den Berg aus Wasser hinunter. Hinter ihm hat sich die Teahupoo-Welle aufgebaut, die immer weiter wächst. Acht Meter hoch ist sie schließlich, als sie über dem Kopf des Surfers zu brechen beginnt. Hamilton steht jetzt in der sogenannten Tube, einem etwa 50 Meter langen Wellentunnel, so hoch, dass durch ihn in diesem Augenblick ein ganzer Schulbus hindurchfahren könnte, ohne auch nur einen Tropfen abzubekommen.

"Es ist wie ein Ritt auf der Rasierklinge. Jede falsche Bewegung kann deinen Tod bedeuten", so Surfprofi Laird Hamilton
"Es ist wie ein Ritt auf der Rasierklinge. Jede falsche Bewegung kann deinen Tod bedeuten", so Surfprofi Laird Hamilton © Jason Merritt/Getty Images

Im letzten Moment gelingt es dem 50-Jährigen, aus dem Tunnel herauszufahren, bevor die Welle unter dem Gewicht von Tausenden Tonnen Wasser zusammenbricht und alles verschlingt, was unter ihr ist. Auf den Booten, die neben der Welle im ruhigen Wasser dümpeln, bricht Jubel aus - wie für jeden Surfer, der dem Schlund des Monsters entkommt.

"Es ist wie ein Ritt auf einer Rasierklinge. Jede falsche Bewegung kann deinen Tod bedeuten", sagt Hamilton wenig später an Land.

Als 36-Jähriger war er vor 14 Jahren einer der Ersten, die die Welle besiegten. Das Bild von ihm in einem Neun-Meter-Wassertunnel auf dem Cover des weltgrößten Surfmagazins mit der Zeile "oh my god ..." ging um die Welt und läutete ein neues Kapitel der Surfgeschichte ein. Die angeblich unsurfbare Teahupoo war bezwungen. Dabei sind es nicht allein die Größe und das Gewicht der Welle, die bereits Dutzende Surfer das Leben gekostet haben. Vielmehr sind es ihre Masse, Geschwindigkeit und Unberechenbarkeit.

Zudem gibt es vor Teahupoo ein Phänomen, das es in dieser Form an keinem anderen Ort der Erde gibt.

Die Südseeinsel Tahiti ist nur wenig größer als Berlin und fast vollständig umgeben von einem Korallenriff, das die Strände vor der starken Brandung schützt.
Die Südseeinsel Tahiti ist nur wenig größer als Berlin und fast vollständig umgeben von einem Korallenriff, das die Strände vor der starken Brandung schützt. © GREGORY BOISSY/AFP/Getty Images
 

Kann eine Welle einen Haken schlagen?

 

900 Meter vor dem Traumstrand Tahitis ragt ein spitzes Riff vom Meeresgrund steil empor. Eine Stufe im Meer, auf deren Höhe sich die Wassermassen, die 5000 Kilometer durch den Pazifik gewandert sind, zu 90 Grad steilen Monsterwellen auftürmen. Kein Mensch kann mit bloßen Händen diese Welle anpaddeln. Der Grund: Sie ist zu schnell und besitzt zu viel Kraft und Sogwirkung. Jeder Adrenalin-Junkie muss daher von einem Jetski in den Schlund hineingezogen werden. Befindet sich der Surfer dann am Fuß dieser Welle, trennt ihn gerade einmal ein Meter von den messerscharfen Korallen unter der Wasseroberfläche. Die Folge: Wer hier stürzt, der wird vom Riff regelrecht aufgeschlitzt.

"Nirgendwo ist der Grat zwischen einer schweren Verletzung und ewigem Ruhm so schmal wie bei dieser Welle", sagt Hamilton.

Eine besondere technische Herausforderung für die Surfer ist zudem die kurvige Form der Welle. Sie entsteht durch das Riff mit dem 90-Grad-Knick unter ihr. Dadurch schlägt das Monster aus Wasser quasi einen Haken. All das macht Teahupoo zu der am meisten gefürchteten Welle der Erde - aber gleichzeitig auch zur faszinierendsten.

Die Wassermassen von Teahupoo stammen aus der stürmischen Antarktis, reisen durch den Pazifik und werden dann vor Tahiti aufgetürmt
Die Wassermassen von Teahupoo stammen aus der stürmischen Antarktis, reisen durch den Pazifik und werden dann vor Tahiti aufgetürmt © GREGORY BOISSY/AFP/Getty Images

Und so werden auch in Zukunft Profisurfer von überall her auf die paradiesische Südseeinsel Tahiti kommen und dem ohrenbetäubenden Donnern des blauen Monsters folgen.

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