Expedition in die Tiefe Das sind die geheimen Riesen der Meere

Riesenzackenbarsche machen auch vor Haien nicht halt. Die zermalmen sie vor dem Schlucken mit den riesigen Kieferplatten
Riesenzackenbarsche machen auch vor Haien nicht halt. Die zermalmen sie vor dem Schlucken mit den riesigen Kieferplatten © iStock

Wer glaubt, dass nach Walen und anderen Kolossen in der ozeanischen Größenrangfolge nur unterdimensioniertes Grätengetier kommt, irrt gewaltig. Die Weltmeere stecken voller Schwimmer, die es auf beachtliche Ausmaße bringen.

 

Der Rote Thun: Hallo, Kleintransporter! 

 

Der Rote Thun ist ein muskulöser Taucher
Der Rote Thun ist ein muskulöser Taucher © TOSHIFUMI KITAMURA/AFP/Getty Images

Die Ausmaße eines Kleintransporters, das Gewicht eines Rodeobullen - und das Ganze vielhundertfach zu einem riesigen Clan zusammengeballt, um als glitzernde Discokugel hungrige Haie zu verwirren: Der Rote Thun (Thunnus thynnus) glänzt in mehrfachem Sinne mit Masse.

Obwohl sie zu den kaltblütigen Wirbeltieren zählen, ist ihr Blut um sechs bis zwölf Grad Celsius wärmer als das sie umgebende Meerwasser. Wahrscheinlich (so genau wissen Forscher das nicht) erzeugen die Muskeln (aus denen der Thunfisch hauptsächlich besteht) diese Wärme, die über ein enges Netz von Blutgefäßen durch die Unterhaut geleitet wird. Diese körpereigene Heizung wiederum hält die Muskeln geschmeidig.

Mit diesem Trick können die Tiere ihre beachtliche Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h auch längere Zeit aufrechterhalten. Verirrt sich also mal ein einzelnes Exemplar vor ein Haimaul, kann es ganz leicht flüchten. Tunas durchkreuzen auf der Jagd nach Kleinfischen und Krebstieren im Lauf ihres Lebens mehrere Ozeane.

  • NAME: Roter Thun (Thunnus thynnus)
  • VERBREITUNG: Atlantik, nördlich des Äquators, Mittelmeer, Karibik, Golf von Mexiko
  • GEWICHT BIS ZU:700 KILOGRAMM
  • GRÖSSE BIS ZU: 5 METER

 

 

Der Mantarochen: Stillstand bedeutet Tod!

 

Das größte Hirn unter den Fischen: Der Mantarochen
Das größte Hirn unter den Fischen: Der Mantarochen © iStock

Mantarochen sind schlau. Sehr schlau! Sie haben im Verhältnis zum Körper das größte Gehirn unter den Fischen, wissen ganz genau, wer ihnen von Nutzen sein kann. Und das ist auch gut so bei einem Körper, mit dem man locker zwei Luxuslimousinen abdecken könnte. Sieben Putzerfischarten müssen sich den Riesen quasi in Planquadrate einteilen, bevor sie ihn von Parasiten und totem Gewebe befreien können: Die einen putzen die Kiemenreuse, andere den Bauch, wieder andere sind auf frische Haibisswunden spezialisiert.

Mantarochen schlafen niemals, sondern schwimmen ihr Leben lang, vermutlich bis zu 40 Jahre. Denn schon wenige Sekunden Stillstand bedeuten den Tod durch Ersticken - die Meeresriesen sind Passivatmer: Ihre zehn Kiemenspalten am Bauch bewegen sich nicht selbsttätig und sind daher ständig geöffnet. Nur durch die Schwimmbewegung kann Wasser zum Atmen durch die Kiemen fließen. Gleichzeitig durchpflügt das Tier mit seinem einen Meter breiten Rochenrachen das Meer und filtert Nahrung - Plankton und kleine Fische - heraus.

  • NAME: Mantarochen (Manta)
  • VERBREITUNG: Weltweit in allen subtropischen und tropischen Meeren
  • GEWICHT BIS ZU: 3 TONNEN
  • BREITE BIS ZU: 7 METER

 

 

Der Schnurwurm: Hier geht es um die Länge!

 

Richtig, hier haben wir es mal nicht mit einem Fisch zu tun. Und nein, es handelt sich nicht um einen Exkurs über Plastikmüll in den Ozeanen. Dies ist der Schnurwurm. Seinen durchschnittlich fünf bis zehn Meter langen Körper lagert er für gewöhnlich am Meeresboden, wo er mit Vorliebe anderen Würmern, Schnecken, Krebsen oder Fischen nachstellt.

Tatsächlich, der Schnurwurm ist ein ernst zu nehmender Räuber, der dank seiner rund 40 Punktaugen auf beiden Seiten seiner Schnauze sehen kann. Seine Beute spürt er mithilfe chemischer Reize auf. Die Schnauze, aus der eine lange Zunge lassoartig herausschnellt, um die Beute zu packen, ist an einem der beiden Schnurwurmenden zu finden. Und die sind mitunter kaum auszumachen.

Schnurwürmer sind nämlich in der Lage, ihre Standardlänge durch einen mysteriösen Trick erheblich zu vervielfachen. So fand man schon einen Wurm von 55 Metern Länge. Rein theoretisch könnte ein Blauwal einen Schnurwurm dreimal wie einen Gürtel um seine breiteste Stelle wickeln. Die Würmer sind damit die dehnbarsten Tiere der Welt. Der Schnurwurm bringt es fertig, Körperendstücke, die ihm beim übermäßigen Dehnen abhanden gekommen sind, zu regenerieren.

  • NAME: Schnurwurm (Nemertea)
  • VERBREITUNG: Nördlicher Atlantik
  • DURCHMESSER: 5-15 MILLIMETER
  • GRÖSSE BIS ZU: 55 METER

 

 

Der Riesenhai: riesig aber nicht blutrünstig!

 

In das Maul eines Riesenhais würde ein Mensch problemlos hinein passen
In das Maul eines Riesenhais würde ein Mensch problemlos hinein passen © iStock

Sieben Tonnen schwer, mehr als zehn Meter lang und immer mit Maulsperre unterwegs: Das ist der Riesenhai, der zweitgrößte Fisch der Erde. Er gehört zwar zur Ordnung der Makrelenhaiartigen und spielt damit im selben Club wie der Weiße Hai. Doch statt blutrünstiger Kämpfe mit fetter Beute setzt der Riesenhai eher auf eine zurückhaltende, passive Jagdtechnik: Maul auf und sehen, was sich so durch die Kiemen strudeln lässt.

Auf diese Weise extrahiert er Kleingetier wie Mini-Krebse oder Fischlarven aus 1800 Litern Wasser - pro Stunde, wohlgemerkt! Die Tagesration von 500 Litern Futter will schließlich erst einmal gesammelt sein. Dafür durchzieht Cetorhinus maximus in gewohnt gemächlichem Schwimmtempo auch gern mal die Nordsee. Ganz zurückhaltend ist auch sein Verhältnis zum Menschen: Man muss den Riesenhai schon wirklich arg reizen, bevor er sich endlich mal durch einen Schlag mit der gewaltigen Schwanzflosse zur Wehr setzt. Dass er bisweilen für ein Ungeheuer gehalten wird, kann daran liegen, dass Riesenhaie im Verbund gern mal hintereinander schwimmen und dadurch ein bisschen einer Seeschlange ähneln.

  • NAME: Riesenhai (Cetorhinus maximus)
  • VERBREITUNG: Weltweit in kalten bis mäßig warmen Gewässern
  • MAULBREITE BIS ZU: 1 METER

 

 

Der Fächerfisch: Speed von mehr als 100 km/h

 

Bei der Jagd umzingeln Fächerfische ihre Beute und erledigen den Rest mit der Schwert-Nase
Bei der Jagd umzingeln Fächerfische ihre Beute und erledigen den Rest mit der Schwert-Nase © iStock

Eine Sportjacht, irgendwo weit draußen vor der Küste Floridas: Ein Hochseeangler wartet im Fighting Chair, einem für Profi-Angler hochgetunten Drehstuhl, darauf, dass ein kapitaler Marlin anbeißt. Doch der dreht - buchstäblich - den Spieß um, schnellt wie ein Torpedo aufs Deck, gleitet in einem Affenzahn um den Kampfstuhl herum und befördert einen weiteren Angler über Bord. Allein die Wucht seines wild umherzuckenden, Speer bewehrten Körpers hindert den Captain daran, aus dem Stuhl zu fliehen.

Der Marlin gehört zur Familie der Fächerfische, die einige der spektakulärsten Schuppenträger der Ozeane hervorbringen. Ihr bis zu fünf Meter langer Körper ist ein Muskelapparat, der sie auf Geschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometer pro Stunde explodieren lässt - damit gilt der Fächerfisch als schnellster Fisch überhaupt. Der Rekordhalter, ein 100-Kilo-Exemplar, wickelte innerhalb von drei Sekunden 91,44 Meter Schnur von einer Angelrute ab - das entspricht einer Endgeschwindigkeit von 109,7 Kilometern pro Stunde. Die Angler auf jenem Boot konnten froh sein, dass der Fächerfisch diesen Speed außerhalb des Bootes hingelegt hat.

  • NAME: Fächerfisch (Istiophorus platypterus)
  • VERBREITUNG: Atlantik, westlicher Pazifik, westlicher Indischer Ozean
  • LÄNGE BIS ZU: 5 METER (+ CA. 2 METER SPEER)

 

 

Riesenzackenbarsch: Jede Flucht ist zwecklos!

 

Riesenzackenbarsche sind Zwitter: Sie beginnen ihr Leben als Weibchen und werden dann meist zum Männchen
Riesenzackenbarsche sind Zwitter: Sie beginnen ihr Leben als Weibchen und werden dann meist zum Männchen © iStock

Der Riesenzackenbarsch ist der größte Knochenfisch in tropischen und subtropischen Riffgewässern. Die Hetzjagd ist die Sache des 400-Kilo-Boliden nicht, Epinephelus ist eher fürs Lauern eingerichtet. Krabbelt etwa ein unvorsichtiges Schalentier vorbei, stürzt der Barsch unvermittelt hervor und schluckt sein Opfer im Ganzen. Sein Maul kann er dafür dank kräftiger Muskelpakete im Kiefer- und Schlundbereich überraschend schnell öffnen.

Industriestaubsaugergleich nimmt er Unmengen Wasser samt Beute auf und schließt das Maul gleich wieder. Das Wasser wird aus den Kiemen hinausgestrudelt, die Beute bleibt drin. Wer glaubt, bei dem Kloß handelt es sich um ein zahnloses Modell, der irrt. Sicher, die spitzen Hauer des Weißen Hais sucht man hier vergeblich. Doch der Zackenbarsch hat noch etwas viel Besseres. Nach der Schnellschluck-Methode greift der Du-kommst-hier-nicht-raus-Trick: Winzige Zähnchen, die wie Widerhaken gen Schlund gerichtet sind, hindern die Beute am Fliehen. Aus dem Riesenzackenbarschschlund gibt es also kein Entkommen. Für niemanden.

  • NAME: Riesenzackenbarsch (Epinephelus lanceolatus)
  • VERBREITUNG: In Riffen und Lagunen tropischer und subtropischer Meeresgebiete
  • GRÖSSE BIS ZU: 5 METER
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